| Autor |
Nachricht |
Jens
Alter: 36
Anmeldungsdatum: 07.12.2004
Beiträge: 1960

|
|
Die Ballingmethode.
Eine optimale Möglichkeit zur Versorgung von Meerwasseraquarien mit Calcium, Karbonaten und Magnesium?
Ich will hier nur näher auf die so genannte Balling light - Methode eingehen. Die komplette Ballingmethode umfasst auch die Dosierung von Spurenelementen.
Für die Balling-Light-Methode werden drei Flüssigkeiten angesetzt.
Im 1. Kanister werden 168g Natriumhydrogencarbonat (Natron) mit Umkehrosmosewasser auf 2 Liter aufgefüllt und darin gelöst. Da Natriumhydrogencarbonat schlecht löslich ist, vereinfacht ein Erwärmen des Wassers das Auflösen.
Im 2. Kanister werden 147g Calciumchlorid-Dihydrat mit Umkehrosmosewasser auf 2 Liter aufgefüllt und darin gelöst. Bei dem Auflösen kommt es zu einer Erwärmung der Lösung.
Im 3. Kanister werden 50g natriumchloridfreies Meersalz mit 2 Liter Umkehrosmosewasser aufgefüllt und darin gelöst.
Was wird aus den Chemikalien im Aquarium?
Aus 147g Calciumclorid-Dihydrat und 168g Natriumhydrogenkarbonat entstehen
100g Calciumcarbonat, 44g Kohlendioxid, 117g Natriumchlorid und 54g Wasser.
Um eine Anreicherung des Beckens mit Natriumchlorid (Kochsalz) zu verhindern,
werden mit der Lösung aus Kanister 3 (50g natriumchloridfreies Meersalz) die restlichen Elemente zudosiert. So entstehen wieder 167 g reines Meersalz.
Wie stelle ich meine gewünschten Wasserwerte ein?
Da Magnesium das Calcium im Meerwasser in Lösung hält, sollte als erstes der Magnesiumwert eingestellt werden.
Anschließend stellt man mit den Lösungen die gewünschten Wasserwerte (Ca und KH) ein.
Aber Vorsicht: Zu schnelle Änderungen könnten die Tiere übel nehmen.
Die Flüssigkeit aus Kanister 2 erhöht den Calciumwert; die Flüssigkeit aus Kanister 1 erhöht die Karbonathärte.
Anzustrebende Werte sind Calcium von ca. 420mg/l und eine Karbonathärte von 7° dH.
Vom 3. Kanister gibt man nun soviel Lösung zu, wie aus dem vollsten Kanister 1 oder 2 entnommen wurde.
Ein abschließender Wasserwechsel beendet das Einstellen der Werte.
Wie viel und wann soll ich dosieren?
H.W. Balling empfiehlt, anfangs je 70 ml pro Tag für ein 200l-Becken zu dosieren. Bei einem größeren Becken steigt der Besatz jedoch nicht genauso wie das Bruttovolumen. Daher am besten mit niedriger Dosierung beginnen. Dabei sollte man regelmäßig die Wasserwerte Ca und KH messen und die Mengen anpassen.
Optimal ist eine zeitversetzte Dosierung aus Kanister 1 und 2, z. B. morgens 70 ml aus Kanister 1 und abends 70 ml aus Kanister 2.
H.W. Balling empfiehlt das natriumchloridfreie Meersalz beim Wasserwechsel mit zu verwenden, weil es in der Salzmischung zu Ausfällungen kommen kann. Dabei ersetzen 50g NaCl-freies Meersalz 167g herkömmliche Meersalzmischung. Dann braucht Kanister 3 nicht angesetzt werden. Jedoch muss die Menge immer neu berechnet werden.
Um aber lästige Rechnerei zu ersparen, habe ich pers. doch Kanister 3 angesetzt. Dabei habe ich bis jetzt noch keine Ausfällungen feststellen können. Vor einem Wasserwechsel entnehme ich aus Kanister 3 soviel Flüssigkeit, dass alle Kanister den gleichen Füllstand haben, und gebe dies in das Becken. Nach einigen Stunden messe ich die Salinität, um eine Aufsalzung des Beckens rechtzeitig festzustellen. Mit der Zeit hat man auch herausgefunden,
auf welche Salinität man das Wechselwasser einstellen muss, um die gewünschte Salinität im Becken zu erreichen.
Die Zufuhr von den Flüssigkeiten ist mit Hilfe von Dosierpumpen am einfachsten. Dosierpumpen von IKS in Kombination mit dem Aquariencomputer IKS oder die 3Kanal-Dosierpumpe TECIII-NG von Grotech sind geeignet.
Die Links zu geeigneten Dosierpumpen:
IKS oder Grotech
Die Magnesiumzufuhr.
Um den Magnesiumwert aufrecht zu erhalten, können in Kanister 2 bis zu 34g Magnesiumchlorid-Hexahydrat zugegeben werden.
Je nach Magnesiumwert kann die Menge an Magnesiumchlorid variiert werden. Die Menge sollte so abgestimmt werden, dass ein Magnesiumwert von ca. 1300 mg/l zu messen ist.
Ein größeres Magnesiumdefizit würde ich jedoch so nicht ausgleichen, da es bei Magnesiumchlorid zu einer Verschiebung des Verhältnisses von Chlorid und Sulfat kommt. Bei kleineren Zugabemengen wird dieses durch einen regelmäßigen Wasserwechsel ausgeglichen.
Hier ein Rezept (nach Th. Chronz) zur Erstellung einer Lösung für den Ausgleich größerer Magnesiumdefizite:
380g Magnesiumchlorid-Hexahydrat und 48g Magnesiumsulfat-Heptahydrat werden mit Umkehrosmosewasser auf 1 Liter aufgefüllt und darin gelöst. Diese Lösung enthält 5g Magnesium pro 100 ml.
Auch hier sollte die Anhebung des Magnesiumwertes langsam erfolgen.
Berechnungsprogramme, die z.B. ausrechnen, wie viel Magnesiumsalze in einem Becken fehlen, gibt es im Internet an vielen Stellen. z.B. hier.
Welche Chemikalien sind geeignet?
Bei allen Chemiekalien sollte man darauf achten, das es sich um das richtige Hydrat handelt. Wenn man statt einem Dihydrat z.B. ein Hexahydrat verwendet, enthält die Chemiekalie eine andere Wassermenge, so dass die Gewichtsangabe nicht mehr korrekt ist.
Die Chemikalien sollten einen hohen Reinheitsgrad haben. Aber die Qualität reinst ist ausreichend.
Analysequalität ist zwar reiner, aber auch deutlich teurer. Zum Abwiegen eignet sich z.B. eine digitale Küchenwaage mit einer Genaugkeit von 1g.
Die Anwendung dieser Methode geschieht auf eigene Gefahr. Ich will hier nicht verschweigen, dass durch unsachgemäße Anwendung das gesamte System kippen kann.
Quellen: H.W. Balling, Die Balling-Methode, Koralle Nr. 14 April/Mai 2002
D. Knop Steinkorallen im Aquarium Bd. 2
Th. Chronz http://www.chronz.de/aquaristik/tips_tricks/magnesium.htm
|
|
|
|
_________________ 1170l Ocean als Mixed-Reef 8x80 Watt T5, BK250 intern und div. Tunze Stream über Multicontroller 7095
|
|
 |
     |
 |
Torsten
Alter: 35
Anmeldungsdatum: 20.06.2006
Beiträge: 5

|
|
Hallo Jens !
Die Dichteänderung laut Rechnung scheint hoch zu sein !?!
Was sagen deine Erfahrungen beim ansetzten des Wechselwassers mit normalem Meersalz ? Wie hoch mischt du es in ppm ? und kannst du in 2 Wochen bei deiner Dosiermenge ein Anstieg der Salinität messen ?
Ich hab über ein Jahr die Methode Balling "Teuer" praktiziert d.h. alles regelmäßig über QFI zu Dosiert ( was ja nichts anderes sein kann als Balling im Selbstmischprinzip ) Bei mir ist in dieser Zeit kein derbster Salinitätsanstieg zu sehen gewesen. Aller dings hab ich regelmäßig WW gemacht mit ppm 33%.
Die reine Ballingmethode mach ich erst sehr kurz um richtige Vergleiche ziehen zu können ist es eindeutig zu früh.
Kannst du mir erklären warum ? wenn ich QFI KH-Plus ins Wasser gegeben hab, konnte ich Trübungen sehen an der Stelle wo ich es reintgetan hab ; bei Natriumhydrogencarbonat welches ich jetzt benutze ist dies nicht der Fall ?
Grund des Umstieges ist bei mir der sehr hohe Verbrauch an KH-Plus gewesen, auf mein 200 liter Becken musst ich 60ml reingeben damit ich die KH auf 7 halten konnte ( das waren 5Liter a. 75.-Euro für 83 Tage *grml ) .
|
|
|
|
|
|
 |
    |
 |
Jörn
Anmeldungsdatum: 30.11.2005
Beiträge: 81
Wohnort: Porta Westfalica
|
|
Hallo Jens,
dass ich kein Fan von Balling bin, kann man schon hier nachlesen: http://www.meerwasser-forum.net/ftopic267.html
Aber berichte doch auch einmal etwas zu den tatsächlich anfallenden monatlichen Kosten für diese Methode. Wie teuer ist der Aufwand für, sagen wir mal ein Durchschnittsbecken von 500 Litern.
Viele Grüße
Jörn
|
|
|
|
|
|
| |
    |
 |
Jens
Alter: 36
Anmeldungsdatum: 07.12.2004
Beiträge: 1960

|
|
Hallo @ all,
wie schön Jörn, das du ein 500l-Becken nennst. So eins habe ich rein zufällig gerade am rumstehen. Das Becken wird schon seit 2 Jahren mit der Ballingmethode betrieben. PO4 und NO3-Probleme sind mir unbekannt.
Ich kaufe NaHCO3 und CaCl*2H2O in 5 kg Eimern und das Mineralsalz in 1000g Dosen. Von den 3 Lösungen gebe ich jeden Tag 350 ml zu. Das reicht gerade so, um den Ca-Wert zu halten.
Bei dieser Zugabemenge entstehen mir reine Salzkosten in Höhe von 9,08 Euro pro Monat.
@Thorsten:
Die QFI-Produkte sind bestimmt keine "Ballig-Produkte" . Da es bei der Zugabe von QFI KHplus zu weißen Ausfällungen kommt, tippe ich auf eine Art Kalkwasser. Aber sicher bin ich mir da nicht. Aber eine NaHCO3-Lösung ist es mit Sicherheit nicht! Auch der Calciumzusatz basiert sicher nicht auf CaCl*2H2O.
Somit wird bei der Benutzung der QFI-Produkte kein NaCl2 im Becken entstehen und eine Zugabe von Mineralsalz notwendig.
In welcher Größenordnung dabei Ionenverschiebungen entstehen, ist mir nicht bekannt. Bis jetzt ist auch noch nicht wissenschaftlich untersucht worden, wieviel Ionenverschiebung unsere Pfleglinge vertragen können (pers. Mitteilung v. A.Glaser).
Der Dichteansteig beträgt bei mir ca. 1 ppm pro Monat, den ich dann beim Wasserwechsel ausgleiche.
Ich will aber nicht verschweigen, das mit einer gleichmäßigen Gabe von den Lösungen nicht alle Becken auf Dauer zu betreiben sind. Bei meinem Becken habe ich die NaHCO3-Lösung inzwischen dünner angesetzt, da ein Ansteig des KH zu beobachten war. Leider ist halt jedes Becken im KH-verbrauch anders. Ein Becken mit Schmuddelecken wird mehr KH verbrauchen, als ein Becken mit extrem starker Strömung. Die dadurch auftretende Ionenverschiebung verkraften meine Tiere bislang problemlos.
Gruß Jens
|
|
|
|
_________________ 1170l Ocean als Mixed-Reef 8x80 Watt T5, BK250 intern und div. Tunze Stream über Multicontroller 7095
|
|
 |
     |
 |
|
|
|
Nächstes Thema anzeigen
Vorheriges Thema anzeigen
Du kannst keine Beiträge in dieses Forum schreiben. Du kannst auf Beiträge in diesem Forum nicht antworten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht bearbeiten. Du kannst deine Beiträge in diesem Forum nicht löschen. Du kannst an Umfragen in diesem Forum nicht mitmachen. Du kannst Dateien in diesem Forum nicht posten Du kannst Dateien in diesem Forum nicht herunterladen
|
Alle Zeiten sind GMT + 1 Stunde
57502 Angriffe abgewehrt
|